Das Werk, das Gerard
Gachet hinterlassen hat, weckt in uns sofort den Wunsch, es mit
Worten zu erfassen. Es istzugleich romantisch, fantastisch und realistisch.
Es wird, wie er es selbst so gut
gespürt hat, vom Hauch des alten germanischen Rheins belebt,
der die sich krampfhaft aufbäumenden Körper an Haaren
und Bärten in schraubigen Garben und wilden Wellen mitreißt.
Dunkle Tannen lassen sich als Rahmen erahnen. Aber jede Materie
reizt diesen
großen Künstler — sei sie körnig, schuppig,
glatt, klebrig oder buschig.
Im bald gedämften, bald leuchtenden
Licht des Gewitters öffnen sich die Frauen seinem präzisen,
tragischen Blick. Aber der Erotismus von Gerard Gachet ist nicht
nur morbid, er wird auch von einer sinnlichen Liebe für Körperformen
geprägt, deren harmonische Rundungen von einem Maler
liebkost werden, der uns sein Begehren und seine Befriedigung einfach
mitteilen muß, auch wenn er vom Abstrakten ausgeht oder das
Symbol anstrebt. Zweifelsohne hat er gefürchtet, sich zu offen
an das Geschlechtliche in unserem Blick zu wenden — so erklären
sich die Reptilien und Frösche, die angeblich den Anthropomorphismus
verwehren. Die Furcht ist aber über- flüssig, denn die
sich nackt preisgebenden Frauen können so aufregend wie jene
Courbets sein, aber in ihrer geheimnisvollen
Art stossen sie uns ebenso ab wie sie uns anziehen.
Natürlich denkt man bei Gerard
Gachet auch an den Surrealismus und an Bosch, aber seine Persönlichkeit
gründet in den ihr eigenen und unverwechselbaren Obsessionen,
die
durch die Geheimnisse der Komposition und die anspruchsvolleTechnik,
die dieser starrköpfige Alchimist zu entwickeln imstande war,
noch unterstrichen werden.
Das Wesentliche hingegen liegt jenseits
aller Worte, mit denen ich Formen und Farben erwähnt habe.
Ein Werk von Gachet erkennt man sofort.
Jacques LAURENT
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